Kult und Kultur in Uppsala

Die schwedische Stadt Uppsala, nördlich von Stockholm, gehört zu den bedeutensten des Landes. Schon viele Jahrhunderte bevor Stockholm als kleiner Handesposten zwischen Ostsee und Mälarsee erwähnt wurde, war Uppsala, 80 Kilometer weiter nördlich, das heidnische Zentrum der Wikinger. Verständlich, dass die katholische Kirche für eine erfolgreiche Christianisierung diesen Ort in den Fokus nahm. 1164 wurde Uppsala der erste Bischofssitz. Die Kirche brauchte Gelehrte, was zur Gründung der ersten Universität Skandinaviens führte. Uppsala, Schauplatz der Wikingerzeit, Machtzentrum von Kirche und Königshaus sowie Ort von Wissenschaft und Lehre ist ein spannendes Reiseziel in Schweden. Von Stockholm aus erreicht man Uppsala in 35 Minuten mit dem Zug. Ein mehrtägiger Aufenthalt lohnt sich, denn wer Uppsala besucht, darf Gamla-Uppsala nicht verpassen – sonst fehlt der Anfang von allem.

Abendstimmung am Fluss Fyrisån in Uppsala, Schweden / © Foto: Georg Berg
Abendstimmung am Fluss Fyrisån mit Dom zu Uppsala / © Foto: Georg Berg

Uppsala – ein lohnenswerter Städtetrip

In Uppsala liegen Dom, Universität, Schloss und Botanischer Garten dicht beieinander. Geschichtlicher Input über Vigborg den Wikinger, König Gustav Vasa, Anders Celsius oder Carl von Linné lassen sich mit einer entspannten Pause in einem der vielen Cafés am Fluss Fyrisån verbinden. Ein Besuch des Anatomischen Theaters im Gustavianum und ein Rundgang entlang der Runensteine aus Wikingerzeiten werden gekrönt von einer schwedische Fika im Café Guntherska. Alt-Uppsala einst heidnisches Zentrum, Opferstätte und geheimnisvolle Nekropole liegt nur fünf Kilometer entfernt und ist gut mit dem Fahrrad oder per Bus erreichbar. Hier die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Uppsala und Gamla Uppsala.

Gamla Uppsala – Kultort der Wikinger

Hügelgräber in Gamla Uppsala. Die Königsgrabhügel eingebettet in grüne Wiesen sind ein bedeutender heidnischer Kultplatz und das Zentrum des im 11. Jahrhundert niedergegangenen Königreichs Svea / © Foto: Georg Berg
Hügelgräber in Gamla Uppsala. Die Königsgrabhügel eingebettet in grüne Wiesen sind ein bedeutender heidnischer Kultplatz und das Zentrum des im 11. Jahrhundert niedergegangenen Königreichs Svea / © Foto: Georg Berg

Der Legende nach strömten während der Wikingerzeit alle neun Jahre Menschen aus ganz Skandinavien zum Tempel in Gamla Uppsala, um den nordischen Göttern ihre Opfer darzubringen. Man opferte von jeder Art neun männliche Wesen, darunter auch Menschen. Sie wurden, so heißt es, in einem Hain in Bäume gehängt und ihr Blut sollte die Götter versöhnen. Dies berichtete Adam von Bremen um 1070 seinem Erzbischof. Er schrieb, dass die Menschen im Norden einen berühmten Tempel haben, der Uppsala hieße und ganz mit Gold verziert sei. Um 650 nach Christus gab es auf dem Gebiet des alten Uppsala nicht nur die heute noch sichtbaren Königsgräber, sondern auch Hallen und einen Marktplatz. Die Umgebung war übersäht mit kleinen Hügeln, denn man bestattete die Verstorbenen in Erdhügeln. Im Jahr 1164 wurde dieses sagenumwobene Uppsala im Zuge der Christianisierung zum ersten Erzbistum Schwedens. Spuren des angeblich goldenen Tempels finden sich heute nicht mehr, aber die großen Königsgräber sind weiterhin sichtbar. Im Gamla Uppsala Museum zeigt man die Funde aus einigen dieser Hügelgräber. Zur großen Enttäuschung der Archäologen hat man die Verstorbenen und ihre wertvollen Grabbeigaben vor der Beisetzung verbrannt. Man vermutet, dass der Tempel an der Stelle stand, an der heute die kleine Steinkirche steht. Gamla Uppsala zieht seit mehr als 1.500 Jahren die Menschen in seinen Bann. Auch König Gustav Vasa nutzte mehrfach die Symbolkraft von Uppsala. 1531 verkündetet er auf dem Parlamentshügel, der gleich hinter der Kirche lag, eine Glockensteuer. Als die Bürger protestierten, drohte der König alle zu töten, worauf sie um Gnade baten und in die Abgabe einer Glocke pro Gemeinde einwilligten. Diese und andere Geschichten kann man im kleinen Gemeinde-Museum direkt an der Kirche nachlesen. Es gibt viel zu erkunden im alten Uppsala, so dass man dort schon vor 125 Jahren die Notwendigkeit eines Ausflugslokals sah.

Odinsborg – Ausflugslokal von 1899

Das Ausflugslokal Odinsborg in Gamla Uppsala wurde 1899 im Geist der schwedischen Nationalromantik erbaut. Der Stil ist vergleichbar mit dem deutschen Jugendstil und einer romantischen Verklärung der Vergangenheit. In den Gasträumen von Odinsborg gibt es historische Darstellungen und Trinkhörner aus dieser Zeit / © Foto: Georg Berg
Ausflugslokal Odinsborg in Alt-Uppsala / © Foto: Georg Berg

Das Restaurant Odinsborg in Gamla Uppsala zählt zu den ersten Ausflugslokalen überhaupt. Es wurde 1899 im Geist der schwedischen Nationalromantik gebaut. Der Stil ist vergleichbar mit dem deutschen Jugendstil und verklärt romantisch die Vergangenheit. In den Gasträumen gibt es historische Darstellungen und Trinkhörner aus den Anfangsjahren des Tourismus in Gamla Uppsala. Bis heute ist Alt-Uppsala ein kulturell bedeutsamer Ort für viele Schweden. Noch heute kann man in Odinsborg Met, den Honigwein der Wikinger bestellen. Kaffee und ein Stück Kuchen sind aber auch eine gute Wahl.

Dom zu Uppsala

Grab von König Gustav Vasa (1496-1560) und zwei seiner drei Ehefrauen im Dom zu Uppsala / © Foto: Georg Berg
Grab von König Gustav Vasa (1496-1560) und zwei seiner drei Ehefrauen im Dom zu Uppsala / © Foto: Georg Berg

Im Jahr 1270 begann man mit dem Bau der Kathedrale. Der 1435 geweihte gotische Dom ist mit seinem 107 Meter langen und 27 Meter hohen Innenraum die größte Kirche Nordeuropas. Im 16. Jahrhundert erzwang König Gustav Vasa die Reformation der schwedischen Kirche auf den evangelisch-lutherischen Glauben. Bis 1719 wurden in der Kathedrale viele Herrscher gekrönt. König Gustav Vasa (1496-1560) und des Botaniker Carl von Linné sind hier begraben.

Universität Uppsala

Festaal der Universität Uppsala bei der Abschlussfeier für internationale Studenten / © Foto: Georg Berg
Aula der Universität Uppsala bei der Abschlussfeier für internationale Studenten / © Foto: Georg Berg

Die Universität Uppsala wurde 1477 gegründet und ist damit die älteste Universität in Skandinavien. Sie gehört zu den hundert besten Bildungseinrichtungen der Welt und hat 8 Nobelpreisträger hervorgebracht. Heute studieren hier 50.000 Studenten aus aller Welt. Zu den berühmtesten Wissenschaftlern der Universität gehören Carl von Linné, Anders Celsius und Olof Rudbeck.

Studentenleben in Uppsala

Studenten stehen Schlange für eine Cocktail-Nacht in der Södermannsland-Nerikes Nation, gegründet 1805. In Uppsala übernehmen die historisch aus Landsmannschften hervorgegangenen Nations die Interessenvertretung der Studierenden. Darüber hinaus prägen die Nations das soziale Angebot für Studenten wie etwa Bars, Clubs. festliche Banquette oder Restaurants mit Mittagstisch, die exklusiv und preiswert für Mitglieder von Nationen sind / © Foto: Georg Berg
Studenten stehen Schlange für eine Cocktail-Nacht in der Södermannsland-Nerikes Nation, gegründet 1805 / © Foto: Georg Berg

In Uppsala vertreten 13 Studentennationen die Interessen der Studierenden. Diese Nations entstanden historisch aus Landsmannschften. Zu Beginn ihres Studiums wählen die Studenten eine Nation und zahlen dort ihren Beitrag. Fast alle Nations wurden im 17. Jahrhundert gegründet und befinden sich in ehrwürdigen Gebäuden. Doch für Studierende zählt weniger die Geschichte einer Nation, als ihr Party-Potential. Fast wöchentlich gibt es Club- und Cocktail-Abende, Festbanquette und günstige Mittagessen. Alkohol ist in den Nations ebenfalls günstiger, was regelmäßig zu langen Schlangen vor den Eingängen führt. Doch Zutritt erhält nur, wer in Uppsala studiert.

Botanischer Garten von Uppsala

Altes Tropenhaus im Botanischen Garten Uppsala. Heute Sammlung von Sukkulenten / © Foto: Georg Berg
Altes Tropenhaus im Botanischen Garten Uppsala. Heute Sammlung von Sukkulenten / © Foto: Georg Berg

Der botanische Garten ist eine abwechslungsreiche Grünanlage. Zu den Highlights zählen der akkurate Barockgarten zu Füßen des Schlosses, die 200 Jahre alte Orangerie und das tropische Gewächshaus. Im Café Victoria gibt es Essen aus regionalen Bio-Zutaten und selbstverständlich Gebäck und Kaffee. Ein Picknick auf dem Rasen ist auch erlaubt. Rund um die Orangerie stehen noch vier alte Lorbeerbäume in den großen Kübeln, die Carl von Linné im 18. Jahrhundert in Holland bestellte. Aus den Blättern des Lorbeers flocht man bis in die 1980er Jahre die Lorbeerkränze der Doktoranden. Doch Wissenschaftler wachsen anscheinend schneller als Lorbeerbäume. Um die historischen Gewächse zu schonen, bezieht man die Blätter für die Kränze mittlerweile in Italien.

Linnaeus Garten

Führung durch den Linné Garten in Uppsala mit dem in Schweden bekannten Linnaeus Darsteller Hans Odöö / © Foto: Georg Berg
Führung durch den Linné Garten in Uppsala mit dem in Schweden bekannten Linnaeus Darsteller Hans Odöö / © Foto: Georg Berg

Mitten in Uppsala liegt der Linneaus-Garten. Der weltberühmte Botaniker Carl von Linné lebte von 1743 bis 1778 mit seiner Familiie in dem Professorenheim, das heute ein Museum ist. Das Haus zeigt seine wissenschaftlichen Leistungen anhand von Ausstellungen in der Bibliothek, dem Arbeitszimmer und dem Naturalienkabinett. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert ist mit Originalgegenständen wie Kleidern, Textilien, Geschirr und Möbeln der Familie Linné ausgestattet. Dieser Botanische Garten wurde zum ersten Mal 1655 angelegt und ist der älteste in Schweden. 1741 wurde Carl von Linné Professor an der Universität Uppsala und damit verantwortlich für den Garten. Hier unterrichtete Linné seine Studenten und forschte. Der Linné-Darsteller Hans Odöö schlüpft regelmäßig in die Rolle von Carl von Linné und erklärt bei seinen Führungen auch auf englisch die Studien des Botanikers. Carl von Linné führte die heute gebräuchliche binäre Nomenklatur ein, nach der alle Organismen in einem einheitlichen System mit einer Doppelbezeichnung benannt werden.

Fika bei Guntherska oder im Café Linné

Kanellbullar und anderes Gebäck in einer Bäckerei in Uppsala, Schweden. Diese werden in Schweden traditionell während einer Fika gegessen. Fika bedeutet die Unterbrechung einer Tätigkeit, um mit der Familie, mit Freunden oder mit Kollegen Kaffee zu trinken. Eine Fika kann zwischen 15 und 45 Minuten dauern. Zum Kaffee wird oft eine Süßigkeit, Fikabröd genannt, gegessen / © Foto: Georg Berg
Große Auswahl an Kanellbullar und anderem Gebäck für eine bemütliche Fika in einem Café in Uppsala / © Foto: Georg Berg

Kardamomknoten sind neben Kanellbullar ein beliebtes Hefegebäck. Zusammen mit einer Tasser Kaffee wird daraus Fika, ein zentraler Bestandteil der schwedischen Kultur. Schweden gehören zu den größten Kaffeekonsumenten weltweit. Fika bedeutet eine Tätigkeit zu unterbrechen, um mit der Familie, mit Freunden oder mit Kollegen Kaffee zu trinken. Eine Fika kann zwischen 15 und 45 Minuten dauern. Zum Kaffee wird oft etwas Süßes gegessen. Laden Schweden zu einer Fika nach Hause ein, bieten sie ihren Gästen traditionell sieben verschiedene Süßigkeiten an. Weniger gilt als geizig, mehr als zu protzig. Diese Sitte erklärt wohl das riesige Angebot an Törtchen, Canapés und Keksen in den Cafés und Bäckereien.  

Fahrrad fahren und Wandern in Uppsala

Der Wanderweg Linnéstig zwischen Uppsala und Gamla Uppsala ist benannt nach dem berühmtesten Bürger der Stadt Uppsala, dem Botaniker Carl von Linné / © Foto: Georg Berg
Der Wanderweg Linnéstig zwischen Uppsala und Gamla Uppsala ist benannt nach dem berühmtesten Bürger der Stadt Uppsala, dem Botaniker Carl von Linné / © Foto: Georg Berg

Uppsala wurde mehrmals zur fahrradfreundlichsten Stadt Schwedens gekürt. Es gibt zahlreiche gut ausgebaute Radwege, das Mieten von Fahrrädern ist einfach und viele Wege sind gut ausgeschildert. Auf dem Linnéstig erreicht man Alt-Uppsala, fünf Kilometer entfernt, zu Fuß oder per Rad. Tipp: mit dem Bus nach Gamla-Uppsala fahren und nach dem Besuch der Wikinger-Kultstätte zu Fuß zurück nach Uppsala, die Spitzen des Doms fest im Blick.

Wer sich berechtigterweise fragt, warum es überhaupt Uppsala und Gamla Uppsala gibt, hier die Erklärung: Gamla Uppsala musste seinen Namen an das heutige Uppsala abgeben. Bis ins 13. Jahrhundert hieß das heutige Uppsala Östra Aros. Als aber die große Kathedrale in Östra Aros gebaut werden sollte, musste auf Befehl des Papstes der bedeutsame Name Uppsala mit dem Bischofssitz umziehen und aus dem früheren Uppsala wurde Gamla Uppsala.

Die Recherche wurde von Destination Uppsala unterstützt

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