Wie zünftig es im Basecamp des Pik Lenin zugeht (so schreibt man ihn hier auf Englisch) merken wir uns schnell. Ein großes Zelt dient als Kantine und natürlich stehen schon fast alle anderen Gäste in der Schlange vor dem Buffet, als unsere Gruppe pünktlich um 19 Uhr zum Dinner eintrifft. Einige verbringen hier schon Wochen und akklimatisieren sich in Vollpension zwischen dem Basecamp und verschiedenen höher gelegenen Zwischenlagern. Zu denen schleppen sie an mehreren Tagen Proviant hoch. Dabei werden sie von Pferden und Sherpas unterstützt. Fast alle haben dasselbe Ziel vor Augen. Sie wollen bei günstigen Wetterbedingungen auf dem 7.134 Meter hohen Gipfel des Pik Lenin stehen.

Die Namen der Pamir-Gipfel erinnern noch an das Erbe der Sowjetunion und im Jahr 2019 deutet nichts auf einen russischen Angriffskrieg in der Ukraine hin. Alpinistengruppen aus Russland und der Ukraine bereiten friedlich einen gemeinsamen Angriff vor. Der Gipfel des Pik Lenin soll bezwungen werden – und alle haben einen erstaunlich großen Hunger. Pik Kommunismus ist mit 7.495 Metern der höchste Pamir-Gipfel und der zweithöchste, der Pik Lenin, liegt vor mir, während er von den letzten Sonnenstrahlen des Tages getroffen wird.


Gipfel der Gegensätze
Die Szenerie könnte gegensätzlicher nicht sein. Während im Basecamp Akkus geladen werden und über den Bergen der Vollmond aufgeht, steigt aus den Jurten der genügsamen kirgisischen Nomaden die dünne Rauchfahne der mit Viehdung befeuerten Öfen auf. Ich verkrieche mich mit der Absicht, früh aufzustehen in meinem dicken Daunenschlafsack.

Im Morgengrauen fesselt mich die sanfte Hochgebirgslandschaft mit ihren Hügeln und kleinen Seen. In der Ferne zeichnen sich die Gipfel des Tien-Shan-Gebirges ab, hinter mir ragen die gletscherbedeckten Pamir-Giganten empor. Vereinzelt grasen Pferde, und hin und wieder donnert eine Herde im lauten Galopp vorbei. Ein einzelner Schimmel sticht vor dem dunklen Hintergrund hervor und zieht mit seinem Verhalten alle Blicke auf sich. Kurz nachdem er dicht an mir vorbeigestürmt ist, taucht sein Besitzer auf. Außer Atem späht er in die Ferne, wo der Schimmel friedlich grast, als wäre er nie ausgerissen.



In der Nähe steigen Rauchfahnen aus Jurten auf – ein Zeichen, dass der Tag für die kirgisischen Hirten beginnt. Frauen melken Kühe, Männer satteln Pferde, Kinder waschen sich im eiskalten Flusswasser. Der Besitzer des Pferdes winkt schüchtern, dann fragt er auf Englisch nach meinem Namen. Er stellt sich als Dschangube vor und zeigt auf das Zaumzeug über seinem Arm: „Horse? “ Ich nicke, und wortlos gehen wir zusammen los.

Es überrascht mich kaum, dass sich das Pferd von Dschangube bereitwillig das Zaumzeug anlegen lässt. Geschickt schwingt er sich in den Sattel, zieht die Zügel an und posiert stolz für mein Foto. Mit Gesten macht er mir klar, dass er mich ebenfalls fotografieren könne. Während ich noch überlege, wie ich ohne Steigbügel aufsteigen soll, nimmt er die Herausforderung an. Irgendwie schaffe ich es auf den Pferderücken, und Dschangube hat sich gemerkt, welcher Knopf den Auslöser betätigt. Das Foto gelingt ihm jedenfalls hervorragend.

Reportage: Pamir-Etappe der Seidenstraße
Reportage: Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe
Hintergrundreportage: Special Adventures auf der Seidenstraße
Kalender

Unterwegs auf den Spuren von Marco Polos
Die Seidenstraße führt zu den verheißungsvollsten Orten der Welt. Auf dem so genannten Pamir Highway führt die alte Handelsroute in Hochasien durch das Pamir-Gebirge, in dem neben dem Himalaya, dem Karakorum und dem Hindukusch die höchsten Berge der Erde zu finden sind. Schon Marco Polo hat auf seiner Reise nach China einige der Wege benutzt, die auch heute noch über das Dach der Welt führen.
Duschanbe
An der Seidenstraße liegt die Stadt Duschanbe, die wie im Mittelalter auch heute noch ein wichtiges Handelszentrum darstellt. Das beweisen viele repräsentative Gebäude und das quirlige Leben in der modernen Markthalle. Die Menge an frischen Produkten und vor allem die Vielzahl orientalischer Gewürze sind überwältigend. Mit diesem Kalender genießt man ein ganzes Jahr den Orient im Überfluss.
Die Recherchereise wurde vom Veranstalter Special-Adventure unterstützt
