Dushanbe, die Hauptstadt Tadschikistans

Im Inneren der Hauptmarkthalle in Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan
Im Inneren der Hauptmarkthalle in Duschanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan

Macht und Handel auf der Seidenstraße

Die Seidenstraße bis nach China hat Abenteurer, Kaufleute, Pilger oder Hippies fasziniert. Alexander der Große ist auf seinen Feldzügen bis in Gegenden gekommen, die heute Tadschikistan und Pakistan heißen und Marco Polo blieb im Auftrag Venedigs mehrere Jahre in China, wo ihn der Enkel Dschingis Khans zeitweilig zum Präfekten ernannte. Heute baut die Volksrepublik China die Seidenstraße unter dem Titel One Belt, One Road als gewaltiges Infrastrukturprojekt aus.

Monumental-Architektur und Personenkult

Monumentales Denkmal für Ismail Somoni in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. Auch der Somoni, die Währung Tadschikistans, ist nach dem Feldherrn benannt
Monumentales Denkmal für Ismail Somoni in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe. Auch der Somoni, die Währung Tadschikistans, ist nach dem Feldherrn benannt / © Foto: Georg Berg

In ganz Tadschikistan hängen großformatige Bilder des Präsidenten Emomalij Rahmon. In der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe plustert sich der Nationalstolz in prachtvollen Bauten und Skulpturen bekannter Nationalhelden auf. Die Monumental-Architektur im Sowjet-Stil mit Drang zum Gigantismus ist trotz der eigenen Identitätssuche unverkennbar. Am höchsten Fahnenmast der Welt weht scheinbar in Zeitlupe die überdimensionale Nationalflagge.

Eine goldene Krone und Sterne verzieren die Flagge Tadschikistans, die in Duschanbe an einem 165 Meter hohen Fahnenmast weht
Eine goldene Krone und Sterne verzieren die Flagge Tadschikistans, die in Duschanbe an einem 165 Meter hohen Fahnenmast weht / © Foto: Georg Berg

gut zu ertragen. Der weite Blick auf öffentliche Gebäude ist eine Abwechslung zum geschäftigen Treiben in den Geschäftsstraßen der Stadt.

Das tadschikische Nationalmuseum liegt in Duschanbe an einem künstlich angelegten See
Das tadschikische Nationalmuseum liegt in Duschanbe an einem künstlich angelegten See / © Foto: Georg Berg
Die goldene Kuppel, zahlreiche Säulen und die prominente Perspektive sprechen eine eindeutige Sprache: Das kann nur der Präsidentenpalast sein
Die goldene Kuppel, zahlreiche Säulen und die prominente Perspektive sprechen eine eindeutige Sprache: Das kann nur der Präsidentenpalast sein / © Foto: Georg Berg
Die 2012 eröffneten Nationalbibliothek ist die größte Bibliothek Zentralasiens. Auf neun Etagen soll in den Regalen noch Platz für viel mehr Bücher sein
Die 2012 eröffneten Nationalbibliothek ist die größte Bibliothek Zentralasiens. Auf neun Etagen soll in den Regalen noch Platz für viel mehr Bücher sein / © Foto: Georg Berg

„Abenteuer Seidenstraße“ – ein Buch zum Weiterlesen

Da wohl jeder Reisende auf der Seidenstraße nur ein Teilstück erleben kann, lässt sich das Gesamtbild nur aus der Literatur erschließen. Der französische Journalist Alfred de Montesquiou hat 2016 für den Fernsehsender Arte eine Doku-Reihe und anschließend ein empfehlenswertes Buch über die Seidenstraße produziert. In ihm belegt er die These, dass es eigentlich die eine Seidenstraße nie gegeben hat. Dieser romantische Begriff kam erst auf, als die Landverbindung zwischen Europa und China im 15. Jahrhundert durch die Seefahrt bedeutungslos geworden ist.

Abenteuer Seidenstraße: 12.000 Kilometer von Venedig bis Xi’an. Eine Reise auf den Spuren von Marco Polo in den Orient, nach Zentralasien, den Iran, Usbekistan und China

Montesquiou gibt zu bedenken, dass die Seide ja nur eine der chinesischen Kostbarkeiten war, auf die sich im Westen Höchstpreise erzielen ließen. Mit gleichem Recht hätten man die Straße auch Gewürzstraße nennen können oder allgemein Straße der Ideen. Europa war damals auch an Schießpulver, Moschus oder Rhabarber interessiert, die es als leicht transportierbare Waren im technisch hoch entwickelten China gab.

Entlang der ehemaligen Seidenstraße werden noch immer auf allen Märkten feine Textilien angeboten
Entlang der ehemaligen Seidenstraße werden noch immer auf allen Märkten feine Textilien angeboten / © Foto: Georg Berg
Große Mengen getrockneter Früchte, Nüsse und natürlich Gewürze werden in der modernen Markthalle von Duschanbe angeboten. Die heutige Hauptstadt Tadschikistans war noch ein kleines Dorf, als der Handel an der Seidenstraße begannt
Große Mengen getrockneter Früchte, Nüsse und natürlich Gewürze werden in der modernen Markthalle von Duschanbe angeboten. Die heutige Hauptstadt Tadschikistans war noch ein kleines Dorf, als der Handel an der Seidenstraße begannt / © Foto: Georg Berg

Montesquiou legt bei seiner Beschreibung der verschiedenen Völker entlang der Seidenstraße auf die Unterscheidung Wert, ob es sich ursprünglich um nomadische Viehzüchter oder eher um sesshafte Ackerbauern handelt. Nur die Sesshaften haben interessante Bauwerke hinterlassen. Nomaden dagegen versichern sich ihrer Identität durch mündliche Überlieferung, in der die kämpferische Selbstbehauptung eine wichtige Rolle spielt.

In der dünn besiedelten Gebirgslandschaft entlang der chinesischen Grenze erstreckt sich ein hunderte Kilometer langer Stacheldrahtzaun / <a href="https://eyeturner.de/copyright/">Urheberrechtshinweis</a>
In der dünn besiedelten Gebirgslandschaft entlang der chinesischen Grenze erstreckt sich ein hunderte Kilometer langer Stacheldrahtzaun / © Foto: Georg Berg

Die Chinesen mussten sich lange gegen feindliche Nomadenvölker aus dem Norden wehren. Gegen die Hunnenhorden bot selbst die große chinesische Mauer keinen hundertprozentigen Schutz. Dringend benötigt und gegen Seide getauscht wurden deshalb die besten Pferde aus dem heutigen Kirgisien.

Jurten der kirgisischen Nomaden am tadschikischen Karakul-See, der mit seiner dunklen Farbe einen schönen Kontrast zu den schneebedeckten Gipfeln bildet
Jurten der kirgisischen Nomaden am tadschikischen Karakul-See, der mit seiner dunklen Farbe einen schönen Kontrast zu den schneebedeckten Gipfeln bildet / © Foto: Georg Berg

Der Tauschhandel unter direkten Nachbarn war üblich. Keiner der Kaufleute hatte eine Vorstellung von der gesamten Seidenstraße, da jeder nur einen Teilabschnitt kannte. Wie ein roter Faden ziehen sich die Aufzeichnungen des venezianischen Kaufmanns Marco Polo, die unter dem Namen Die Beschreibung der Welt erschienen sind, durch Montesquious Bunch.

Eine Herde kirgisischer Pferde grast vor einer verlassenen Radarstation aus der Sowjetzeit
Eine Herde kirgisischer Pferde grast vor einer verlassenen Radarstation aus der Sowjetzeit / © Foto: Georg Berg

Gerade weil mich meine Reise durch einen Teil der Seidenstraße geführt hat, in dem Montesquiou nicht war, möchte ich die Universalität seiner These bestätigen. Die Seidenstraße ist wohl tatsächlich eher als Korridor mit verschiedenen nebeneinander genutzten Wegen zu verstehen, als dass es sich um eine genau bestimmbare Route handelt. Albert de Montesquiou ist es gelungen, das Phänomen Seidenstraße sowohl mit eigenen Beobachtungen als auch durch kenntnisreiche historischen Einordnungen in der Gegenwart zu verorten.

Material und Veröffentlichungen

Bildkalender von Georg Berg

Kalender Titielbild. Auf der Seidenstraße durch das Pamir Gebirge

Die Seidenstraße führt zu den verheißungsvollsten Orten der Welt. Auf dem Pamir Highway führt die alte Handelsroute in Hochasien durch das Pamir-Gebirge, in dem neben dem Himalaya, dem Karakorum und dem Hindukusch die höchsten Berge der Erde zu finden sind. Schon Marco Polo hat auf seiner Reise nach China einige der Wege benutzt, die auch heute noch über das Dach der Welt führen.

Kalender Titielbild: Duschanbe, Hauptstadt von Tadschikistan

An der Seidenstraße liegt die Stadt Duschanbe, die wie im Mittelalter auch heute noch ein wichtiges Handelszentrum darstellt. Das beweisen viele repräsentative Gebäude und das quirlige Leben in der modernen Markthalle. Die Menge an frischen Produkten und vor allem die Vielzahl orientalischer Gewürze sind überwältigend. Mit diesem Kalender genießt man ein ganzes Jahr den Orient im Überfluss.

Weitere Kalender des Fotografen Georg Berg sind über den Buchhandel in verschiedenen Formaten erhältlich.


Fotos

Alle Fotos von der Seidenstraße