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Japan kann auch Mittelmeer

Blick aus dem Benesse House Museum auf das Seto Binnenmeer mit seinen vielen kleinen Inseln / © Foto: Georg Berg

Blick aus dem Benesse House Museum auf das Seto Binnenmeer mit seinen vielen kleinen Inseln / © Foto: Georg Berg

Japan ist nicht eine Insel, Japan das sind viele Inseln. Im Seto-Binnenmeer, das wegen seines mediterranen Klimas als das japanische Mittelmeer gilt, liegen besonders viele kleine Inseln. Doch der Reihe nach. Das rund 450 Kilometer lange Seto-Binnenmeer wird nahezu vollständig von den drei Hauptinseln Honshu, Shikoku und Kyushu umschlossen. Die Region rund um das Binnenmeer trägt den Namen Setouchi und besteht aus den sieben Präfekturen Hyogo, Okayama, Hiroshima, Yamaguchi, Tokushima, Kagawa und Ehime. Das größte Binnenmeer Japans liegt für Touristen bis heute selten auf der Reiseroute. Dabei hatte diese Gegend schon vor mehr als 150 Jahren berühmte Fürsprecher. Der deutsche Geograph Ferdinand von Richthofen bereiste die Region 1860 und war tief beeindruckt von der Schönheit des Binnenmeeres mit seinen mehr als 3.000 Inseln, die in allen Größen und zumeist grün aus dem ruhigen Meer ragen.

Blick auf eine kleine Insel im Seto Binnenmeer von der Insel Naoshima aus. / © Foto: Angela Berg

Ferdinand von Richthofen, bereiste in späteren Jahren China und gab der Seidenstraße ihren Namen. Auch die Bezeichnung Seto für Inlandsee geht auf den Geographen Richthofen zurück. Über das Seto-Meer soll er gesagt haben:

“Eine unendliche Anzahl von Inseln aller Größen… solch elegante Schönheit über ein riesiges Gebiet. Kann es irgendwo auf der Welt etwas Schöneres geben als das hier?
Er warnte auch: “Ich bete, dass es für immer so bleiben kann. Ihr größter Feind wird die Zivilisation sein und das Aufkommen eines menschlichen Verlangens, wie es noch nie zuvor da war.”

Ferdinand von Richthofen
Das Seto Binnenmeer nennen die Japaner auch ihr Mittelmeer Hier gedeihen Zitrusfrüchte und Oliven wie im mediterranen Raum Europas.

Thomas Cook auf Weltreise

Ein Jahrzehnt nach Ferdinand von Richthofen reiste der Brite Thomas Cook, der als Erfinder der Pauschalreise gilt, nach Japan. Es ist kaum zu glauben, aber das Seto-Binnenmeer lag 1873 auf der Reiseroute der ersten organisierten Weltreise. Ganze 222 Tage war Cook mit acht Pionier-Pauschaltouristen unterwegs und durchquerte aus Osaka kommend Japan’s Binnenmeer auf dem Weg nach Nagasaki. Die Werbeanzeige für diese organisierte Weltreise soll Jules Verne zu seinem berühmten Abenteuerroman In 80 Tagen um die Welt inspiriert haben. Thomas Cook war mit seiner Reisegruppe noch unterwegs, da lag der neue Roman von Jules Verne schon in den Auslagen der Buchhandlungen. Auch Thomas Cook war nach seiner Weltreise voll des Lobes für die wunderschöne Natur der Region, die sich heute Setouchi nennt.

Steg mit Yellow Pumpkin von Yayoi Kusama. Der berühmtem gelbe Kürbis wurde 2021 von einem Taifun isn Meer gespült. 2022 wurde an selber stelle ein neues Exemplar aufgestellt / © Foto: Angela Berg

Geheimtipp Setouchi

Eine große Wirkung hat die Fürsprache der frühen Globetrotter von Richthofen und Cook nicht gezeigt. Noch heute ist Setouchi mehr Geheimtipp als Pflichtprogramm einer Japanreise. Dabei hat die Region nicht nur schöne Natur zu bieten, sondern auch Kunst und Architektur von Weltrang, historisch bedeutsame Stätten, teils mit der Auszeichung Unesco Weltkulturerbe. Darüber hinaus bietet die Region mit ihren sieben Präfekturen viele kulinarische Spezialitäten.

Pier im Hafen von Takamatsu in der Präfektur Kagawa. Fährschiffe bringen Touristen und Pendler auf viele der Inseln im Seto-Binnenmehr wie bspw. Teshima oder Naoshima / © Foto: Angela Berg

Hafenstadt Takamatsu

Takamatsu ist die Hauptstadt der Präfektur Kagawa. Der Hafen von Takamatsu ist ein idealer Startpunkt für Tagesausflüge zu viele der Inseln im Seto-Binnenmeer, wie die Kunst-Inseln Naoshima und Teshima. Die his­to­ri­sche Hafen­stadt Takamatsu ist darüber hinaus bekannt für bes­te Udon-Nudeln, lange Ein­kaufs­pas­sa­gen und eine der schönsten Parkanlagen Japans. Der Ritsu­rin-Kōen Park wurde im 16. Jahrhundert vom mächtigen Matsuhira Clan angelegt. Über elf Generationen wurde die Parkanlage vom Clan erweitert und gepflegt. Im Herbst hebt Abendbeleuchtung die Laubfärbung der Bäume im Ritsurin-Koen Park hervor. Japaner sind nicht nur verrückt nach Kirschblüten, die ab März den Einzug des Frühlings ankündigen, sondern verfolgen auch die von Norden nach Süden wandernde Laubverfärbung.

Ritsurin Park in Takamatsu. Im Herbst wird die Laubverfärbung mit einem Lichterfest gefeiert. / © Foto: Angela Berg

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Die Recherche fand auf einer von JNTO organisieren Pressereise statt.

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