Halifax Waterfront und Museen

Halifax ist die Hauptstadt von Nova Scotia und zugleich das Tor zur wilden Natur Atlantik Kanadas. Die meisten Besucher beginnen hier ihre Reise. Auch Kreuzfahrtschiffe legen im Hafen an. Für Schiffe aus Europa liegt er am ersten Landfall des Kontinents. Diese Lage macht Halifax seit Jahrhunderten zu einem strategisch wichtigen Stopp der Seefahrt. Die Geschichte der Stadt erzählt von Hoffnung und Neubeginn, aber ebenso von Katastrophen. Halifax war der nächstgelegene Hafen, als 1912 die Titanic sank. Am Hafen riss 1917 die größte von Menschen verursachte Explosion ihrer Zeit die Stadt auf. Am Pier 21 gingen zwischen 1928 und 1971 fast eine Million Einwanderer an Land. Wer Neugier und etwas Zeit mitbringt, entdeckt spannende Museen, eine Zitadelle mit täglichem Kanonenschuss, die älteste Salzwasserfähre Nordamerikas und die Parfümerie 7 Virtues, die Frieden zum Geschäftsmodell machte. Die Wege an der Halifax Waterfront sind kurz, die Vielfalt ist groß. Sieben Stationen für einen Tag, besser noch für zwei.

Holzdeck mit Treppen und Gebäuden am Queen's Marque Boardwalk, Halifax, Kanada
Das hölzerne Stufendeck auf dem begehbaren Dach des Gebäudes „Rise Again“ am Queen’s Marque Boardwalk in Halifax, Kanada, mit Blick auf den Hafen. Die 2021 eröffnete Anlage bildet mit ihren breiten Holzstufen ein öffentlich zugängliches Amphitheater. / © Foto: Georg Berg

Halifax Waterfront

Die Uferpromenade ist das Rückgrat der Stadt. Ihre Holzplanken ziehen sich ohne Unterbrechung über 3,8 Kilometer, vom Pier 21 bis zum Casino Nova Scotia. Unterwegs liegen die Historic Properties, Lagerhäuser aus alter Zeit, in denen Händler nicht nur ihre Geschäfte abwickelten, sondern auch Schmuggel organisierten. Heute beherbergen sie Läden und Restaurants. Hinzu kommen der Queen’s Marque mit Kunst im öffentlichen Raum und großzügigen Plätzen sowie Museen und Anleger. Wer alles mitnimmt, braucht einen Tag. Wer nur flaniert, etwa eine Stunde. 

Menschen genießen Eiscreme und Restaurants am Halifax Waterfront Boardwalk in Halifax, Kanada
Das historische Lagerhaus „The Cable Wharf“ an der Lower Water Street 1751 in Halifax, Kanada, beherbergt die Eisdiele Cow’s und ein Restaurant mit Terrasse. Das Gebäude liegt direkt an der Halifax Waterfront Boardwalk am Hafen. / © Foto: Georg Berg

Sightseeing macht hungrig, und Seeluft erst recht. An der Halifax Waterfront und in den dahinterliegenden Geschäftsstraßen gibt es gute Restaurants. Hier ein paar Foodtipps.

Kinder klettern auf einer blauen Skulptur am Halifax Waterfront Boardwalk, Halifax, Canada
Kinder klettern auf der 1988 aufgestellten Skulptur „The Wave“ der Künstlerin Donna Hiebert am Halifax Waterfront Boardwalk in Halifax, Nova Scotia, Kanada, trotz eines Schilds mit der Aufschrift „For your protection, do not climb“. Das Beklettern der Skulptur ist ein seit Jahrzehnten anhaltendes Ritual, das die Stadtverwaltung wiederholt zu unterbinden versucht hat. / © Foto: Georg Berg

Maritime Museum of the Atlantic

Das Haus gilt als Kanadas größtes und ältestes Schifffahrtsmuseum. Es widmet sich zwei Katastrophen. Die Titanic Ausstellung zeigt Gegenstände von Bord, geordnet nach Passagierklassen. Die Sammlung ist so umfangreich, dass die Macher des Films von 1997 sie zur Vorbereitung studierten. Auch die Halifax Explosion von 1917 hat einen eigenen Bereich, samt Fragmenten des Munitionsschiffs Mont Blanc. Rund 2.000 Menschen starben, etwa 9.000 wurden verletzt. Die Titanic Ausstellung in der ersten Etage besitzt die größte Anziehungskraft, doch das Museum erzählt ebenso von Fischerei und Seefahrtstradition. Draußen am Kai liegt die CSS Acadia. Sie wurde 1913 als Forschungsschiff gebaut. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehörten die Vermessung und Kartierung von Küsten, Meerestiefen und Schifffahrtswegen, unter anderem in der Hudson Bay, an der Labrador Küste, im Sankt Lorenz Golf und vor Nova Scotia. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente sie als Patrouillen- und Geleitschiff. Später wurde sie zum Ausbildungsschiff und ist heute Teil des Maritime Museum. 1675 Lower Water Street

Besucher betrachten eine interaktive Karte der 1917 Halifax Harbour Disaster im Museum
Eine Besucherin betrachtet eine interaktive Hafenkarte in der Ausstellung zur Halifax-Explosion im Maritime Museum of the Atlantic in Halifax, Kanada. Die Explosion zweier Schiffe im Hafen am 6. Dezember 1917 zerstörte weite Teile der Stadt. / © Foto: Georg Berg

Canadian Museum of Immigration at Pier 21

Am Pier 21 endet die Promenade, und genau hier begann für viele Menschen ein neues Leben. Zwischen 1928 und 1971 war Pier 21 eine der wichtigsten Anlaufstellen für Einwanderer in Kanada. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Pier zum verkehrsreichsten Seehafen des Landes für die Einreise. Auch knapp 400.000 heimkehrende kanadische Soldaten gingen hier an Land. Das Museum arbeitet mit Zeitzeugen. Kurzfilme erzählen Einzelschicksale, Karten zeigen fast alle Schiffsrouten zwischen Deutschland und Kanada. Wegen seiner Bedeutung zählt das Haus zu den Nationalmuseen Kanadas. 1055 Marginal Road

Besucher spazieren vor dem Canadian Museum of Immigration at Pier 21 am Marginal Road, Halifax, Canada
Die Fassade von Pier 21 mit einem historischen Eisenbahnwaggon der Canadian National Railway an der Marginal Road in Halifax, Kanada. Zwischen 1928 und 1971 durchliefen rund eine Million Einwanderer die Empfangshalle; heute beherbergt das Gebäude das Canadian Museum of Immigration at Pier 21. / © Foto: Georg Berg

Art Gallery of Nova Scotia: Maud Lewis

Die Art Gallery of Nova Scotia zeigt kanadische, insbesondere atlantisch kanadische Kunst. Das Spektrum reicht von historischer und indigener Kunst bis zu zeitgenössischen Werken. Ein Schwerpunkt liegt auf regionaler Volkskunst, etwa auf den Arbeiten der Künstlerin Maud Lewis aus Nova Scotia. Ihr Haus ist kleiner als manches Wohnzimmer und zieht dennoch Besucher aus aller Welt an. Maud Lewis wurde 1903 bei Yarmouth geboren und starb 1970. Rheumatoide Arthritis verkrümmte ihre Hände und begrenzte die Größe ihrer Bilder. Sie malte Tiere, Blumen und Küstenlandschaften in kräftigen Farben. Ihr berühmtestes Werk jedoch ist das Ein Zimmer Häuschen aus Marshalltown, ohne Strom und fließendes Wasser, das sie innen wie außen bemalte. 1984 kaufte es die Provinz. Die Art Gallery baute es ab und im Museum wieder auf. Seit 1998 steht es dort dauerhaft. Daneben hängen Bilder und Gegenstände aus ihrem Leben. 1723 Hollis Street

Maud Lewis Kunstwerk ziert die Wand im Lower Water Street, Halifax, Canada
Wandgemälde nach einem Motiv von Maud Lewis am Eingang der Ausstellung „Maud Lewis: Her House, Her Art, Her Legacy“ in der Art Gallery of Nova Scotia in Halifax, Nova Scotia, Kanada. Die Ausstellung zeigt im Hintergrund rechts das restaurierte Originalhaus der Malerin, das dort dauerhaft zu sehen ist. / © Foto: Georg Berg

7 Virtues Parfum Atelier

Parfum aus dem Baukasten. Barb Stegemann gründete 2010 ihre Marke, deren ätherische Öle von Bauern in Konfliktregionen stammen sollen. Im Atelier am Queen’s Marque, gestaltet nach dem Vorbild der Werkstätten in Grasse, mischen die meist weiblichen Besucher ihren eigenen Duft. Aus den Bausteinen vorhandener Düfte entsteht eine neue, persönliche Komposition. 1709 Lower Water Street, Unit 1 

Frauen testen Parfümproben in einem Geschäft in Halifax, Kanada
Kundinnen testen Duftproben im Perfume Atelier von The 7 Virtues in der Lower Water Street in Halifax, Kanada. Das Unternehmen bezieht Duftöle aus Post-Konfliktregionen wie Afghanistan, Haiti und Ruanda und eröffnete 2024 sein erstes Atelier in Halifax. / © Foto: Georg Berg

Halifax Zitadelle

Die Festung auf dem Hügel mitten in der Stadt wurde nie angegriffen. Die heutige Steinanlage ist bereits der vierte Bau an dieser Stelle. Die ersten drei bestanden aus Holz. Gebaut wurde von 1828 bis 1856. Die Festung sollte einen Angriff auf dem Landweg abschrecken. Heute führen Darsteller in historischen Uniformen durch den Alltag der Garnison. Und jeden Tag um zwölf Uhr fällt ein Schuss. Der Mittagsschuss ist seit mindestens 1856 Tradition.

Menschen entspannen sich auf einer grünen Wiese vor dem Uhrturm am Halifax Waterfront
Wiese am Fuß des Citadel Hill vor dem Old Town Clock in Halifax. Der Uhrturm wurde 1803 auf Geheiß von Prinz Edward, Duke of Kent, errichtet und zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt / © Foto: Georg Berg

Fähre nach Dartmouth

Die Überfahrt ist kurz und gehört fest zum Programm. Die Verbindung besteht seit 1752 und gilt als älteste Salzwasserfähre Nordamerikas. Am Anfang stand ein Ruderboot. Ein Mann setzte Fahrgäste für drei Cent über den Hafen. Heute fahren Boote von Halifax Transit etwa zwei Kilometer weit bis zum Alderney Landing. Dort warten ein Markt, eine Galerie und ein Theater, außerdem der Blick zurück auf die Skyline.

Fähre "Viola Desmond" fährt auf dem Wasser vor der Halifax Waterfront Boardwalk, Halifax, Canada
Die Fähre „Viola Desmond“ der Halifax Transit legt vor der Skyline von Halifax, Kanada, an. Das Schiff trägt den Namen der Bürgerrechtlerin, die 1946 gegen ihre Verhaftung wegen eines Sitzplatzes im „Weißen“-Bereich eines Kinos in New Glasgow protestierte und seit 2018 auf der kanadischen Zehn-Dollar-Note abgebildet ist. / © Foto: Georg Berg
Menschen genießen den Tag am Salter Boardwalk, Halifax, Canada
Menschen spazieren auf dem Salter Boardwalk in Halifax, während im Hafenbecken ein Kreuzfahrtschiff liegt und im Hintergrund die roten Verladekräne der Halifax Shipyard zu sehen sind. Der Boardwalk-Abschnitt ist nach der Salter Street benannt, an deren Fuß über ein Jahrhundert lang Schlepperboote der Stadt stationiert waren / © Foto: Georg Berg

Halifax Umgebung

Wer von Halifax aus die Provinz Nova Scotia erkundet, ist auf das Auto angewiesen. Die folgenden beiden Orte sind wegen ihrer Nähe zu Halifax beliebte Sightseeing Stopps für Kreuzfahrtpassagiere. Hier heißt es, früh aufzustehen und vor der Welle zu surfen.

Boote liegen am Kai von Peggys Point Road, Halifax Regional, Canada
Fischerboote liegen am Kai von Peggy’s Cove, Halifax Regional Municipality, Nova Scotia, Kanada, vor der Kulisse bunt gestrichener Holzhäuser auf den Granitfelsen des Dorfes. / © Foto: Georg Berg

Peggy’s Cove

Der Leuchtturm steht auf glatten Granitfelsen und ist das meistfotografierte Motiv der Provinz. Der weiß rote Turm von 1915 ersetzte einen Vorgänger aus dem Jahr 1868. Ins Innere gelangt man nicht, denn der Leuchtturm ist für Besucher geschlossen. Das Dorf liegt rund 44 Kilometer von Halifax entfernt, die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Einen Linienbus gibt es nicht. Ein Mietwagen oder eine gebuchte Tour sind nötig. Zum Timing: In der Hochsaison füllen sich die Parkplätze am Leuchtturm zwischen dem späten Vormittag und dem Nachmittag schnell. Wer ruhige Bilder möchte, kommt besser vor neun Uhr oder wirft einen Blick in den Kreuzfahrtkalender von Halifax.

Touristen genießen die Aussicht am Peggy's Cove Lighthouse, Halifax Regional, Canada
Besucher auf den Granitfelsen rund um den Leuchtturm von Peggy’s Cove, Halifax Regional Municipality, Nova Scotia, Kanada. Der heutige Leuchtturm aus Beton und Stahl wurde 1915 in Betrieb genommen und ersetzte einen hölzernen Vorgängerbau von 1868. / © Foto: Georg Berg

Fairview Lawn Cemetery

Auf diesem Friedhof liegen 121 Opfer der Titanic, mehr als an jedem anderen Ort. Warum Halifax? Schiffe aus der Stadt bargen die Toten. Die Granitsteine ließ die Reederei White Star Line bezahlen. Viele tragen keinen Namen, sondern nur das Datum und die Nummer, unter der die Leiche geführt wurde. Die Gräber liegen in sanft geschwungenen Reihen, einem Schiffsrumpf nachempfunden. Der Untergang der Titanic galt lange als die größte Schiffskatastrophe der Menschheit. Bis heute bewegt das Schicksal des Luxusliners und seiner Passagiere die Menschen. Wer Fairview Lawn in stiller Friedhofsatmosphäre besuchen möchte, muss früh aufstehen. Ab neun Uhr treffen die ersten Busgruppen ein. Windsor Street, im Norden der Stadt.

Grabsteine reihen sich auf einem Friedhof an der Chisholm Avenue in Halifax, Kanada
Grabsteine der Titanic-Opfer stehen in geschwungenen Reihen, die an einen Schiffsrumpf erinnern, auf dem Fairview Lawn Cemetery an der Chisholm Avenue in Halifax, Nova Scotia, Kanada. Der 1893 angelegte Friedhof beherbergt 121 Gräber von Passagieren und Besatzungsmitgliedern der RMS Titanic – mehr als jeder andere Friedhof der Welt. / © Foto: Georg Berg

Mehr über Nova Scotia

Hummer galt in Atlantik-Kanada lange als Essen der Armen. Heute ist die Lobster Roll ein nationales Symbol. Wer wissen will, wie der Fang abläuft, fährt bei einer Nachtschicht mit: Auf Hummerfang in Nova Scotia zeigt, was Bestandsschutz bedeutet. Kanada ist auch das Land des Ahornsirups. Das meiste liefert Quebec, doch auch Nova Scotia zapft den Zuckerahorn. In Halifax, der Hauptstadt der Provinz, ist das Angebot groß. Der kulinarische Kompass für Halifax führt zu den guten Adressen. Die Stadt bietet aber mehr als Essen. Der Sightseeing-Guide reicht von der Parfumwerkstatt 7 Virtues bis zur Immigrationstour im Einwanderermuseum am Pier 21. Halifax war auch Schauplatz mehrerer Tragödien. Als die Titanic 1912 sank, war es der nächstgelegene große Hafen. Viele Opfer wurden hierher gebracht. Auf dem Fairview Lawn Cemetery erinnern ihre Gräber an die Katastrophe. Am Himmel wird es ruhiger. Das Deep Sky Eye Observatory zeigt die Milchstraße an Nordamerikas erstem Starlight-Reiseziel. Stargazing auf Meereshöhe heißt hier: Mückenschutz für die Milchstraße.

Die Recherche wurde unterstützt von Visit Nova Scotia

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