Food-Tipps für Halifax

Halifax ist die Hauptstadt von Nova Scotia und zugleich das Tor zur wilden Natur Atlantik-Kanadas. Für die meisten Besucher beginnt hier die Reise. Auch Kreuzfahrtschiffe legen an. Für Schiffe aus Europa ist der Hafen der erste Landfall auf dem Kontinent. Diese Lage macht Halifax seit Jahrhunderten zu einem strategisch wichtigen Stopp der Seefahrt. Kulinarisch bündelt die Stadt all das, was die gesamte Provinz auszeichnet: gutes Seafood, frischen Fisch und Locals, die auf Märkten oder in kleinen Boutiquen Spezialitäten von hoher Qualität anbieten. 

Kinder klettern auf einer blauen Skulptur am Halifax Waterfront Boardwalk, Halifax, Canada
Kinder klettern auf der 1988 aufgestellten Skulptur „The Wave“ der Künstlerin Donna Hiebert am Halifax Waterfront Boardwalk / © Foto: Georg Berg

Halifax Waterfront ist dicht besetzt mit Restaurants, Fastfood-Lokalen und Essständen. Deshalb hier ein kleiner Kompass – entstanden im Selbsttest. 

Farmer’s Markt im Brauhaus

Jeden Samstag öffnet der Farmers Market in der Alexander-Keith’s-Brauerei, einem rund 200 Jahre alten Gebäude an der 1496 Lower Water Street. Mehr als 65 Händler bieten dort Produkte vom Land, Käse, Fisch, Backwaren, Schokolade und Kunsthandwerk an. Musiker spielen, die Stimmung ist entspannt. Im Untergeschoss bereiten Stände Gerichte aus internationalen Küchen zu, und wer mag, schlürft frische Austern. Gleich am Eingang erstreckt sich ein meterlanges Gebäckangebot von Mediocre Bakery: von Brezeln bis zu tellergroßen Zimtschnecken.

Verkäufer bedienen Kunden mit Gebäck am Marktstand in Halifax, Canada
Verkäufer der Bäckerei The Mediocre Bakery bedienen Kunden an ihrem Stand im Keith’s Brewery Market in der Lower Water Street in Halifax, Kanada. Angeboten werden unter anderem Laugengebäck und Blätterteiggebäck aus rein pflanzlichen Zutaten. / © Foto: Georg Berg
Mann sortiert Austern in Lower Water Street, Halifax, Canada
Keith’s Brewery Food Market in Halifax. Ein Fischhändler von Hooked Halifax sortiert Austern aus Eel Lake und Prince Edward Island / Foto: Georg Berg

Fishcake im Black Sheep

Das Black Sheep befindet sich ebenfalls im Gebäude der Alexander-Keith’s-Brauerei, 1496 Lower Water Street. Wer den Markt am Samstag Vormittag verpasst, kann sich im Black Sheep mit einem guten Essen trösten. Zum Lunch serviert man hier Fishcake auf knackigem Salat und mit porchiertem Ei. Dazu bekommt man frisch gezapftes Bier vom Fass. Wahlweise gibt es natürlich auch Tidal Bay: einen frischen, aromatischen Weißwein mit geschützter Herkunftsbezeichnung, gekeltert ausschließlich aus in Nova Scotia angebauten Trauben.

Gäste genießen Mahlzeiten in einem Restaurant in der Lower Water Street, Halifax, Canada
Gäste sitzen bei Getränken im Restaurant Black Sheep in der Lower Water Street in Halifax, Kanada. Das Lokal befindet sich im historischen Gebäude des Keith’s Brewery Market. / © Foto: Georg Berg
Ein Fischkuchen mit pochiertem Ei und Salat wird auf einem Teller serviert
Fischkuchen mit pochiertem Ei, Blattsalat und eingelegtem Gemüse, serviert im Restaurant Black Sheep in der Lower Water Street in Halifax, Kanada. / © Foto: Georg Berg

Chowder mit Melasse-Butter

Das Restaurant im Halifax Marriott Harbourfront Hotel, 1919 Upper Water Street, serviert eine hervorragende Seafood-Chowder. Es liegt im Foyer des Hotels und heißt Harbourstone. Dazu kommt ein hausgemachtes Brötchen mit geschlagener Melasse-Butter. Köstlich.

Cremige Suppe mit Muscheln und Garnelen wird auf Upper Water Street, Halifax, Canada serviert
Seafood Chowder (Cremige Suppe mit Muscheln, Garnelen und manchmal auch Hummerfleisch, hier im Restaurant des Halifax Marriot Harbourfront Hotels auf der Upper Water Street, Halifax / © Foto: Georg Berg

Lobster-Roll mit Aussicht

Das Water Polo liegt direkt an der Waterfront, im Cunard-Viertel, 126–1341 Lower Water Street. Der Speisesaal soll an eine Yacht erinnern und eröffnet einen freien Blick auf den Hafen. Man beobachtet die Touristen beim Flanieren, sieht Georges Island als grünen Fleck im Wasser und genießt eine hervorragende Lobster Roll.

Hummerbrötchen mit Kartoffelchips serviert auf einem Teller in Lower Water Street, Halifax, Kanada
Lobster Roll mit Kartoffelchips, serviert im Restaurant Water Polo an der Lower Water Street in Halifax, Nova Scotia, Kanada / © Foto: Georg Berg

Poutine: ehrlich und gehaltvoll

An den Essständen der Waterfront lohnt sich ein Gericht, das Kanada gern für sich reklamiert: Poutine. Sie gilt als eine Art inoffizielles Nationalgericht. Frisch frittierte Pommes bilden die Grundlage. Darüber fließt heiße braune Bratensoße, dazu kommt Käsebruch, der in der Hitze weich wird und beim Kauen quietscht. Entstanden ist das Gericht in den 1950er-Jahren in Québec. Es sättigt gründlich und wärmt an kühlen Tagen.

Poutine mit geschmolzenem Käse und Bratensauce in einer Pfanne in Annapolis Royal Heritage Area, Kanada
Poutine mit Bratkartoffeln, Käsebruch und brauner Sauce in einer Gusseisenpfanne. Das Gericht stammt ursprünglich aus Québec und gehört inzwischen zur kanadaweiten Alltagsküche / © Foto: Georg Berg

The Five Fishermen und die Toten von Halifax

The Five Fishermen, 1740 Argyle Street, mitten in der Stadt, gehört zu den ältesten Häusern der Stadtgastronomie. Das Essen ist gut, die Geschichte des Hauses skurril. 1912 befand sich hier das Bestattungsunternehmen John Snow & Co. Nach dem Untergang der Titanic brachte man die Toten hierher, darunter John Jacob Astor. Fünf Jahre später, nach der großen Explosion von 1917 im Hafen von Halifax, stapelten sich erneut die Leichen. Das Personal erzählt Geistergeschichten, die auf diesen wahren und erschütternden Katastrophen beruhen.

Gebäude mit Geschäften wie "Five Fishermen" und "Little Fish Oyster Bar" in Downtown Halifax, Halifax, Canada
Historisches Holzgebäude mit dem Restaurant Five Fishermen und der Little Fish Oyster Bar an der Argyle Street in Halifax, Kanada. Im Hintergrund ist der Old Town Clock auf dem Citadel Hill zu sehen. Das Fischrestaurant gibt es seit mehr als 50 Jahren in Halifax / © Foto: Georg Berg

Schokolade aus Südfrankreich

Rousseau Chocolatier, 5151 South Street, liegt in zweiter Reihe in einem Eckgeschäft. Julien Rousseau stammt aus Südfrankreich und fertigt seine Pralinen vor Ort von Hand. Gemeinsam mit seiner Partnerin Nathalie Morin betreibt er den Laden seit 2014. Zu den Spezialitäten zählt ein Karamell mit Fichtenspitzen. 2025 gewann das Haus zwei Preise bei den Academy of Chocolate Awards in London, unter anderem für Pralinen mit Bohnenkraut und mit Lavendel aus Nova Scotia. Daneben gibt es französische Macarons und an heißen Sommertagen erfrischende Sorbets.

Bäcker spricht mit Kundin in einem Geschäft für Süßwaren in Halifax, Kanada
Chocolatier Julian Rousseau im Gespräch mit der Journalistin Angela Berg. Die Confiserie stellt ihre Pralinen und Schokoladenkreationen in Handarbeit her. / © Foto: Georg Berg
Schokoladenpralinen mit Rosenblättern werden in einem Geschäft in Halifax, Kanada, präsentiert
Pralinen der Sorte „Wild Rose“ mit getrockneten Rosenblättern in der Auslage von Rousseau Chocolatier in der Hollis Street in Halifax, Kanada. Die Confiserie wurde mehrfach international ausgezeichnet, unter anderem 2025 von der Academy of Chocolate in London. / © Foto: Georg Berg

Über das Wasser nach Dartmouth

Wem die Waterfront nicht genügt, der steigt in die Fähre nach Dartmouth. Sie ist der älteste Salzwasser-Fährdienst Nordamerikas und legt mehrmals pro Stunde an der Waterfront ab, auf Höhe des Maritime Museums. Schon wegen der Skyline lohnt sich die Überfahrt: Vom Deck aus zeigt sie sich von ihrer schönsten Seite. Die Fähre legt am Alderney Landing an, einem Kulturzentrum mit Wochenendmarkt. Gleich nebenan serviert Evan’s Seafood Fish and Chips mit Blick auf Halifax. Ein kurzer Weg führt zur Portland Street, dem Herzen von Downtown Dartmouth. Wer Geschichte sucht, findet im Quaker Whaler House ein Wahrzeichen. Der Kneipenbummel mit kulinarischen Erlebnissen geht hier weiter.

Fähre "Viola Desmond" fährt auf dem Wasser vor der Halifax Waterfront Boardwalk, Halifax, Canada
Die Fähre „Viola Desmond“ der Halifax Transit legt vor der Skyline von Halifax, Kanada, an. Das Schiff trägt den Namen der Bürgerrechtlerin, die 1946 gegen ihre Verhaftung wegen eines Sitzplatzes im „Weißen“-Bereich eines Kinos in New Glasgow protestierte und seit 2018 auf der kanadischen Zehn-Dollar-Note abgebildet ist / © Foto: Georg Berg

Mehr über Nova Scotia

Hummer galt in Atlantik-Kanada lange als Essen der Armen. Heute ist die Lobster Roll ein nationales Symbol. Wer wissen will, wie der Fang abläuft, fährt bei einer Nachtschicht mit: Auf Hummerfang in Nova Scotia zeigt, was Bestandsschutz bedeutet. Kanada ist auch das Land des Ahornsirups. Das meiste liefert Quebec, doch auch Nova Scotia zapft den Zuckerahorn. In Halifax, der Hauptstadt der Provinz, ist das Angebot groß. Der kulinarische Kompass für Halifax führt zu den guten Adressen. Die Stadt bietet aber mehr als Essen. Der Sightseeing-Guide reicht von der Parfumwerkstatt 7 Virtues bis zur Immigrationstour im Einwanderermuseum am Pier 21. Halifax war auch Schauplatz mehrerer Tragödien. Als die Titanic 1912 sank, war es der nächstgelegene große Hafen. Viele Opfer wurden hierher gebracht. Auf dem Fairview Lawn Cemetery erinnern ihre Gräber an die Katastrophe. Am Himmel wird es ruhiger. Das Deep Sky Eye Observatory zeigt die Milchstraße an Nordamerikas erstem Starlight-Reiseziel. Stargazing auf Meereshöhe heißt hier: Mückenschutz für die Milchstraße.

Die Recherche wurde unterstützt von Visit Nova Scotia

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