Dünen und Legenden am Lake Michigan

Wellen, Wind und ein See, so groß wie ein Meer. Im Sleeping Bear National Park, nahe Traverse City, kann man besonders gut beobachten, mit welcher Kraft der größte See der USA die Küstenlandschaft verändert. An der Nordwestküste der südlichen Halbinsel Michigans entstand eine Dünenlandschaft mit steilen Sandbergen, die zum See hin abfallen. Vor der Küste liegen die Inseln South Manitou und North Manitou und am Grund der Manitou-Passage finden sich unzählige Schiffswracks. Die Küste ist zudem gespickt mit Leuchttürmen. Das Mikroklima des Sees rund um die Stadt Traverse City sorgt dafür, dass hier die besten Sauerkirschen der USA wachsen und auch der Weinanbau in dieser Region erfolgreich ist. Bis heute kann man an den Namen von Buchten, Orten und Seen ablesen, dass das Gebiet schon für die First Nations von großer Bedeutung war. Der Sleeping Bear National Park ist das Heimatland der indigenen Volksstämme Odawa und Ojibwe. Die Legende vom schlafenden Bären ist eine überlieferte Erzählung des Volksstamms Anishinabe, der heute die größte indigene Ethnie Nordamerikas ist.

Steile Dünen im Sleeping Bear National Park. Dünenklettern ist beliebt, die Anstrengung unter wüstenähnlichen Bedingungen wird von Besuchern oft unterschätzt / © Foto: Georg Berg
Steile Dünen im Sleeping Bear National Park. Dünenklettern ist beliebt, die Anstrengung unter wüstenähnlichen Bedingungen wird von Besuchern oft unterschätzt / © Foto: Georg Berg

Kein Kinderspiel: Dünenklettern im Nationalpark

Die Dünen im Sleeping Bear National Park sind kein Sandkastenspielplatz. Besonders im Sommer unterschätzen viele Besucher die Anstrengung, die es kostet das Seeufer zu erreichen. Der Weg hinunter zum blau leuchtenden Wasser ist steiler und länger als gedacht, der Sand tiefer und die Sonner heißer als erwartet. Es sind wüstenähnliche Bedingungen. War der Weg hinunter an den See schon anstrengend, dann ist es der Weg hinauf umso mehr. Ohne Wasser und mit nur mäßiger Kondition ausgestattet, musste so mancher Tourist aus den Dünen gerettet werden. Mittlerweile müssen die Rettungskosten selbst getragen werden. Warnschilder weisen auf die Gefahren und auf die Rettungskosten in Höhe von 3.000 Dollar hin. Der Dune Climb ist weiterhin sehr beliebt. Doch wie das Warnschild schon sagt. The only way is up!

Blick von einer Düne im Sleeping Bear National Park auf den Michigansee. Er ist der größte See der USA und der viertgrößte Süßwassersee der Welt / © Foto: Georg Berg
Blick von einer Düne im Sleeping Bear National Park auf den Michigansee. Er ist der größte See der USA und der viertgrößte Süßwassersee der Welt / © Foto: Georg Berg

Ein Mix aus Dünen, Strand und Wald

Der Sleeping Bear Dunes National Lakeshore befindet sich an der Nordwestküste der südlichen Halbinsel Michigans. Es ist eine hügelige Landschaft, die von großen Sanddünen eingerahmt wird und in deren Mitte viele kleine Seen liegen. Die dichten Wälder mit Birken und Ahornbäumen leuchten im Herbst in roten Farben. Schroffe Steilufer, die bis zu 140 Meter über dem Lake MIchigan aufragen, bieten großartige Aussichtspunkte auf den See und die beiden Manitou-Inseln. Wer länger in dieser Gegend bleibt, kann ausgedehnte Wanderungen unternehmen, Fahrradtouren entlang alter Trails machen und Orte wie Glen Haven und Glen Arbor besuchen, die einst für den Holzhandel wichtig waren. Sportangeln, Kanufahren und Skilanglauf sind weitere Freizeitaktivitäten in der Region. Urlauber mit weniger Zeit sollten auf jeden Fall den Pierce Stocking Scenic Drive mit dem Auto fahren. Die Straße hat 12 Stopps mit vielversprechenden Namen wie Changes Over Time oder Sleeping Bear Overlook.

Das Besucherzentrum Sleeping Bear Dunes National Lakeshore ist täglich geöffnet und bietet Ausstellungen zu Natur und Geschichte. Ranger geben Auskunft  / © Foto: Georg Berg
Das Philip A. Hart Besucherzentrum Sleeping Bear Dunes National Lakeshore ist täglich geöffnet und bietet Ausstellungen zu Natur und Geschichte. Ranger geben Auskunft / © Foto: Georg Berg

Die Dünenlandschaft entstand nach der letzten Eiszeit. Die Gletscher hinterließen ideale Voraussetzungen für das Entstehen von Dünen. Der meist aus Westen kommende Wind treibt den Sand an die Küste. Die Sleeping Bear Düne liegt auf einem Plateau. Gletschersande und der Westwind verändern die Küste kontinuierlich. Die buckelige Aufsitzdüne in Form eines schlafenden Bären ist kaum noch als solche erkennbar und bald wird man sich nur noch die Geschichte der Bärenmutter erzählen können, die erschöpft das rettende Ufer erreichte, auf die Anhöhe kletterte, um dort auf ihre beiden Jungen zu warten. Die Bärenkinder ertranken jedoch und wurden in die beiden vorgelagertern Manitou-Inseln verwandelt. Der Legende nach wartet die Bärin bis heute auf ihren Nachwuchs. Diese und viele andere Informationen über die Natur und die Siedlungsgeschichte der Region erhält man im Besucherzentrum des Sleeping Bear Nationalparks. Für den Besuch der Sleeping Bear Dunes ist ein Fahrzeugpass erforderlich. Der Pass kostet 25 Dollar und kann im Phillip A. Hart Visitor Center, am Dune Climb, am Pierce Stocking Scenic Drive und in The Homestead erworben werden. Die Einnahmen aus dem Verkauf werden für die Instandhaltung der Sleeping Bear Dunes verwendet.

Leelanau Halbinsel

Fahrradtour auf dem Leelanau Trail. Der 27 km lange Freizeitweg an der Westseite von Traverse City bis nach Suttons Bay ist Teil der U.S. Bicycle Route 35 / © Foto: Georg Berg
Fahrradtour auf dem Leelanau Trail. Der 27 km lange Freizeitweg an der Westseite von Traverse City bis nach Suttons Bay ist Teil der U.S. Bicycle Route 35 / © Foto: Georg Berg

Die Leelanau Halbinsel wird auch Michigan’s kleiner Finger genannt. Die letzte Eiszeit grub nicht nur die Vertiefungen der Great Lakes, sondern schuf auch schmale Landzungen, die in den Michigansee ragen. Auf ihnen herrscht ein günstiges Mikroklima für den Anbau von Äpfeln und Kirschen. Michigan ist der größte Produzent von Sauerkirschen in den USA. Selbst wenn man nicht zur Kirschzeit durch Michigan reist, kann man zum Beispiel in dem Geschäft Cherry Republic in Traverse City hunderte Produkte rund um die Kirsche finden. Die getrocknete Montmorency Kirsche ist ein Souvenir, das in jeden Koffer passt. Und frischen Kirschkuchen gibt es das ganze Jahr über beim Bäcker.

Cherry Republic bietet über 200 Produkte aus Sauerkirschen. Michigan ist der führende Erzeuger von Sauerkirschen in den USA  mit den Sorten Montmorency und Balaton / © Foto: Georg Berg
Cherry Republic bietet über 200 Produkte aus Sauerkirschen. Michigan ist der führende Erzeuger von Sauerkirschen in den USA mit den Sorten Montmorency und Balaton / © Foto: Georg Berg

Die kleinen Orte wie Sutton’s Bay, Northport oder Glen Haven erzählen viel über die Siedlungsgeschichte dieser Region. Bereits die First Nations betrieben hier Handel mit Fellen. Ruinen von Sägemühlen und Schiffsdocks zeugen von der Zeit der ersten weißen Siedler, die vorwiegend Holzfäller waren. Der Name Traverse City leitet sich von der Grand Traverse Bay ab. Die ersten Menschen, die sich hier dauerhaft aufhielten, waren Jäger der First Nations und französische Händler. La Grand Traverse, bezieht sich auf die 50 Kilometer tiefe Bucht, die sie mit dem Boot passieren mussten, um zur Mündung, dem heutigen Traverse City zu gelangen. Rund um Traverse City hat sich in der jungen Geschichte des Landes viel ereignet. Entsprechend dicht reihen sich hier Sehenswürdigkeiten und Freizeitangebote aneinander.

Old Mission Peninsula

Weinbau auf der Old Mission Peninsula, Travers City Wine County / © Foto: Georg Berg
Weinbau auf der Old Mission Peninsula, Travers City Wine County / © Foto: Georg Berg

Die Halbinsel Old Mission teilt die Grand Traverse Bay in zwei Arme. Die Landzunge ist nur 27 Kilomenter lang und so schmal, dass man an vielen Stellen eine wunderbare Aussicht auf den See hat. Seit einigen Jahren zieht das Mikroklima immer mehr Winzer auf die Halbinseln entlang des 45. Breitengrads. Old Mission Peninsula und Leelanau bilden zusammen die Traverse Wine Coast mit 25 Weingütern. In dem kühlen und zugleich maritimen Klima der beiden Halbinseln werden die Rebsorten Riesling, Chardonnay, Gewürztraminer, Pinot Gris, Cabernet Franc, Pinot Noir und Merlot angebaut. Die Winzerinnen und Winzer bieten das ganze Jahr über Weinverkostungen und kulinarische Events an.

Leuchttürme am Lake Michigan

Leuchtturm vor Mackinac Island mit Anlegesteg für Boote / © Foto: Georg Berg
Leuchtturm vor Mackinac Island mit Anlegesteg für Boote / © Foto: Georg Berg

Der Michigansee ist groß wie ein Meeer und verfügt über viele maritime Eigenschaften. Dem See feht zwar das Salz im Wasser, aber nicht die Leuchttürme am Ufer. Die West Michigan Tourist Association listet in ihrer Karte 105 Leuchttürme. Die Urlaubsroute führt einmal um den ganzen Michigansee herum. Sie beginnt auf der südlichen Halbinsel Michigans und führt über der Meerenge von Mackinac, die Michigan’s Lower Peninsula mit der Upper Peninsula verbindet. Die Route der Leuchttürme geht weiter über die Bundesstaaten Wisconsin und Illinois. Auf der Höhe von Chicago reiht sich ein Leuchtturm an den nächsten, bevor die Strecke am Südende des Sees kurz durch Indiana geht und dann wieder Michigan erreicht.

Blick aus der Kuppel des Mission Point Leuchtturms, Old Mission Peninsula, heute ein Museum / © Foto: Georg Berg
Blick aus der Kuppel des Mission Point Leuchtturms, Old Mission Peninsula, heute ein Museum / © Foto: Georg Berg

Leuchttürme sind wie gemauerte Zeitzeugen. Viele sind heute kleine Museen und erzählen vom Leben der Leuchtturmwärter, von Schiffsunglücken und Rettungsaktionen. Mission Point Lighthouse bei Traverse City ist einer dieser Leuchttürme mit Geschichte. Warum der Leuchtturm in Grand Traverse County besonders beliebt bei Frauen ist, erzählen wir in der Geschichte über Sarah Lane und das Wärterprogramm.

Die Recherche wurde von Traverse City Tourism und Pure Michigan unterstützt

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Permalink der Originalversion: https://tellerrandstories.de/dunes-lake-michigan
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