Halifax ist die Hauptstadt von Nova Scotia und zugleich das Tor zur wilden Natur Atlantik Kanadas. Die meisten Besucher beginnen hier ihre Reise. Auch Kreuzfahrtschiffe legen im Hafen an. Für Schiffe aus Europa liegt er am ersten Landfall des Kontinents. Diese Lage macht Halifax seit Jahrhunderten zu einem strategisch wichtigen Stopp der Seefahrt. Die Geschichte der Stadt erzählt von Hoffnung und Neubeginn, aber ebenso von Katastrophen. Halifax war der nächstgelegene Hafen, als 1912 die Titanic sank. Am Hafen riss 1917 die größte von Menschen verursachte Explosion ihrer Zeit die Stadt auf. Am Pier 21 gingen zwischen 1928 und 1971 fast eine Million Einwanderer an Land. Wer Neugier und etwas Zeit mitbringt, entdeckt spannende Museen, eine Zitadelle mit täglichem Kanonenschuss, die älteste Salzwasserfähre Nordamerikas und die Parfümerie 7 Virtues, die Frieden zum Geschäftsmodell machte. Die Wege an der Halifax Waterfront sind kurz, die Vielfalt ist groß. Sieben Stationen für einen Tag, besser noch für zwei.

Halifax Waterfront
Die Uferpromenade ist das Rückgrat der Stadt. Ihre Holzplanken ziehen sich ohne Unterbrechung über 3,8 Kilometer, vom Pier 21 bis zum Casino Nova Scotia. Unterwegs liegen die Historic Properties, Lagerhäuser aus alter Zeit, in denen Händler nicht nur ihre Geschäfte abwickelten, sondern auch Schmuggel organisierten. Heute beherbergen sie Läden und Restaurants. Hinzu kommen der Queen’s Marque mit Kunst im öffentlichen Raum und großzügigen Plätzen sowie Museen und Anleger. Wer alles mitnimmt, braucht einen Tag. Wer nur flaniert, etwa eine Stunde.

Sightseeing macht hungrig, und Seeluft erst recht. An der Halifax Waterfront und in den dahinterliegenden Geschäftsstraßen gibt es gute Restaurants. Hier ein paar Foodtipps.

Maritime Museum of the Atlantic
Das Haus gilt als Kanadas größtes und ältestes Schifffahrtsmuseum. Es widmet sich zwei Katastrophen. Die Titanic Ausstellung zeigt Gegenstände von Bord, geordnet nach Passagierklassen. Die Sammlung ist so umfangreich, dass die Macher des Films von 1997 sie zur Vorbereitung studierten. Auch die Halifax Explosion von 1917 hat einen eigenen Bereich, samt Fragmenten des Munitionsschiffs Mont Blanc. Rund 2.000 Menschen starben, etwa 9.000 wurden verletzt. Die Titanic Ausstellung in der ersten Etage besitzt die größte Anziehungskraft, doch das Museum erzählt ebenso von Fischerei und Seefahrtstradition. Draußen am Kai liegt die CSS Acadia. Sie wurde 1913 als Forschungsschiff gebaut. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehörten die Vermessung und Kartierung von Küsten, Meerestiefen und Schifffahrtswegen, unter anderem in der Hudson Bay, an der Labrador Küste, im Sankt Lorenz Golf und vor Nova Scotia. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente sie als Patrouillen- und Geleitschiff. Später wurde sie zum Ausbildungsschiff und ist heute Teil des Maritime Museum. 1675 Lower Water Street

Canadian Museum of Immigration at Pier 21
Am Pier 21 endet die Promenade, und genau hier begann für viele Menschen ein neues Leben. Zwischen 1928 und 1971 war Pier 21 eine der wichtigsten Anlaufstellen für Einwanderer in Kanada. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Pier zum verkehrsreichsten Seehafen des Landes für die Einreise. Auch knapp 400.000 heimkehrende kanadische Soldaten gingen hier an Land. Das Museum arbeitet mit Zeitzeugen. Kurzfilme erzählen Einzelschicksale, Karten zeigen fast alle Schiffsrouten zwischen Deutschland und Kanada. Wegen seiner Bedeutung zählt das Haus zu den Nationalmuseen Kanadas. 1055 Marginal Road

Art Gallery of Nova Scotia: Maud Lewis
Die Art Gallery of Nova Scotia zeigt kanadische, insbesondere atlantisch kanadische Kunst. Das Spektrum reicht von historischer und indigener Kunst bis zu zeitgenössischen Werken. Ein Schwerpunkt liegt auf regionaler Volkskunst, etwa auf den Arbeiten der Künstlerin Maud Lewis aus Nova Scotia. Ihr Haus ist kleiner als manches Wohnzimmer und zieht dennoch Besucher aus aller Welt an. Maud Lewis wurde 1903 bei Yarmouth geboren und starb 1970. Rheumatoide Arthritis verkrümmte ihre Hände und begrenzte die Größe ihrer Bilder. Sie malte Tiere, Blumen und Küstenlandschaften in kräftigen Farben. Ihr berühmtestes Werk jedoch ist das Ein Zimmer Häuschen aus Marshalltown, ohne Strom und fließendes Wasser, das sie innen wie außen bemalte. 1984 kaufte es die Provinz. Die Art Gallery baute es ab und im Museum wieder auf. Seit 1998 steht es dort dauerhaft. Daneben hängen Bilder und Gegenstände aus ihrem Leben. 1723 Hollis Street

7 Virtues Parfum Atelier
Parfum aus dem Baukasten. Barb Stegemann gründete 2010 ihre Marke, deren ätherische Öle von Bauern in Konfliktregionen stammen sollen. Im Atelier am Queen’s Marque, gestaltet nach dem Vorbild der Werkstätten in Grasse, mischen die meist weiblichen Besucher ihren eigenen Duft. Aus den Bausteinen vorhandener Düfte entsteht eine neue, persönliche Komposition. 1709 Lower Water Street, Unit 1

Halifax Zitadelle
Die Festung auf dem Hügel mitten in der Stadt wurde nie angegriffen. Die heutige Steinanlage ist bereits der vierte Bau an dieser Stelle. Die ersten drei bestanden aus Holz. Gebaut wurde von 1828 bis 1856. Die Festung sollte einen Angriff auf dem Landweg abschrecken. Heute führen Darsteller in historischen Uniformen durch den Alltag der Garnison. Und jeden Tag um zwölf Uhr fällt ein Schuss. Der Mittagsschuss ist seit mindestens 1856 Tradition.

Fähre nach Dartmouth
Die Überfahrt ist kurz und gehört fest zum Programm. Die Verbindung besteht seit 1752 und gilt als älteste Salzwasserfähre Nordamerikas. Am Anfang stand ein Ruderboot. Ein Mann setzte Fahrgäste für drei Cent über den Hafen. Heute fahren Boote von Halifax Transit etwa zwei Kilometer weit bis zum Alderney Landing. Dort warten ein Markt, eine Galerie und ein Theater, außerdem der Blick zurück auf die Skyline.


Halifax Umgebung
Wer von Halifax aus die Provinz Nova Scotia erkundet, ist auf das Auto angewiesen. Die folgenden beiden Orte sind wegen ihrer Nähe zu Halifax beliebte Sightseeing Stopps für Kreuzfahrtpassagiere. Hier heißt es, früh aufzustehen und vor der Welle zu surfen.

Peggy’s Cove
Der Leuchtturm steht auf glatten Granitfelsen und ist das meistfotografierte Motiv der Provinz. Der weiß rote Turm von 1915 ersetzte einen Vorgänger aus dem Jahr 1868. Ins Innere gelangt man nicht, denn der Leuchtturm ist für Besucher geschlossen. Das Dorf liegt rund 44 Kilometer von Halifax entfernt, die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Einen Linienbus gibt es nicht. Ein Mietwagen oder eine gebuchte Tour sind nötig. Zum Timing: In der Hochsaison füllen sich die Parkplätze am Leuchtturm zwischen dem späten Vormittag und dem Nachmittag schnell. Wer ruhige Bilder möchte, kommt besser vor neun Uhr oder wirft einen Blick in den Kreuzfahrtkalender von Halifax.

Fairview Lawn Cemetery
Auf diesem Friedhof liegen 121 Opfer der Titanic, mehr als an jedem anderen Ort. Warum Halifax? Schiffe aus der Stadt bargen die Toten. Die Granitsteine ließ die Reederei White Star Line bezahlen. Viele tragen keinen Namen, sondern nur das Datum und die Nummer, unter der die Leiche geführt wurde. Die Gräber liegen in sanft geschwungenen Reihen, einem Schiffsrumpf nachempfunden. Der Untergang der Titanic galt lange als die größte Schiffskatastrophe der Menschheit. Bis heute bewegt das Schicksal des Luxusliners und seiner Passagiere die Menschen. Wer Fairview Lawn in stiller Friedhofsatmosphäre besuchen möchte, muss früh aufstehen. Ab neun Uhr treffen die ersten Busgruppen ein. Windsor Street, im Norden der Stadt.

Mehr über Nova Scotia
Hummer galt in Atlantik-Kanada lange als Essen der Armen. Heute ist die Lobster Roll ein nationales Symbol. Wer wissen will, wie der Fang abläuft, fährt bei einer Nachtschicht mit: Auf Hummerfang in Nova Scotia zeigt, was Bestandsschutz bedeutet. Kanada ist auch das Land des Ahornsirups. Das meiste liefert Quebec, doch auch Nova Scotia zapft den Zuckerahorn. In Halifax, der Hauptstadt der Provinz, ist das Angebot groß. Der kulinarische Kompass für Halifax führt zu den guten Adressen. Die Stadt bietet aber mehr als Essen. Der Sightseeing-Guide reicht von der Parfumwerkstatt 7 Virtues bis zur Immigrationstour im Einwanderermuseum am Pier 21. Halifax war auch Schauplatz mehrerer Tragödien. Als die Titanic 1912 sank, war es der nächstgelegene große Hafen. Viele Opfer wurden hierher gebracht. Auf dem Fairview Lawn Cemetery erinnern ihre Gräber an die Katastrophe. Am Himmel wird es ruhiger. Das Deep Sky Eye Observatory zeigt die Milchstraße an Nordamerikas erstem Starlight-Reiseziel. Stargazing auf Meereshöhe heißt hier: Mückenschutz für die Milchstraße.
Die Recherche wurde unterstützt von Visit Nova Scotia