Halifax ist die Hauptstadt von Nova Scotia und zugleich das Tor zur wilden Natur Atlantik-Kanadas. Für die meisten Besucher beginnt hier die Reise. Auch Kreuzfahrtschiffe legen an. Für Schiffe aus Europa ist der Hafen der erste Landfall auf dem Kontinent. Diese Lage macht Halifax seit Jahrhunderten zu einem strategisch wichtigen Stopp der Seefahrt. Kulinarisch bündelt die Stadt all das, was die gesamte Provinz auszeichnet: gutes Seafood, frischen Fisch und Locals, die auf Märkten oder in kleinen Boutiquen Spezialitäten von hoher Qualität anbieten.

Halifax Waterfront ist dicht besetzt mit Restaurants, Fastfood-Lokalen und Essständen. Deshalb hier ein kleiner Kompass – entstanden im Selbsttest.
Farmer’s Markt im Brauhaus
Jeden Samstag öffnet der Farmers Market in der Alexander-Keith’s-Brauerei, einem rund 200 Jahre alten Gebäude an der 1496 Lower Water Street. Mehr als 65 Händler bieten dort Produkte vom Land, Käse, Fisch, Backwaren, Schokolade und Kunsthandwerk an. Musiker spielen, die Stimmung ist entspannt. Im Untergeschoss bereiten Stände Gerichte aus internationalen Küchen zu, und wer mag, schlürft frische Austern. Gleich am Eingang erstreckt sich ein meterlanges Gebäckangebot von Mediocre Bakery: von Brezeln bis zu tellergroßen Zimtschnecken.


Fishcake im Black Sheep
Das Black Sheep befindet sich ebenfalls im Gebäude der Alexander-Keith’s-Brauerei, 1496 Lower Water Street. Wer den Markt am Samstag Vormittag verpasst, kann sich im Black Sheep mit einem guten Essen trösten. Zum Lunch serviert man hier Fishcake auf knackigem Salat und mit porchiertem Ei. Dazu bekommt man frisch gezapftes Bier vom Fass. Wahlweise gibt es natürlich auch Tidal Bay: einen frischen, aromatischen Weißwein mit geschützter Herkunftsbezeichnung, gekeltert ausschließlich aus in Nova Scotia angebauten Trauben.


Chowder mit Melasse-Butter
Das Restaurant im Halifax Marriott Harbourfront Hotel, 1919 Upper Water Street, serviert eine hervorragende Seafood-Chowder. Es liegt im Foyer des Hotels und heißt Harbourstone. Dazu kommt ein hausgemachtes Brötchen mit geschlagener Melasse-Butter. Köstlich.

Lobster-Roll mit Aussicht
Das Water Polo liegt direkt an der Waterfront, im Cunard-Viertel, 126–1341 Lower Water Street. Der Speisesaal soll an eine Yacht erinnern und eröffnet einen freien Blick auf den Hafen. Man beobachtet die Touristen beim Flanieren, sieht Georges Island als grünen Fleck im Wasser und genießt eine hervorragende Lobster Roll.

Poutine: ehrlich und gehaltvoll
An den Essständen der Waterfront lohnt sich ein Gericht, das Kanada gern für sich reklamiert: Poutine. Sie gilt als eine Art inoffizielles Nationalgericht. Frisch frittierte Pommes bilden die Grundlage. Darüber fließt heiße braune Bratensoße, dazu kommt Käsebruch, der in der Hitze weich wird und beim Kauen quietscht. Entstanden ist das Gericht in den 1950er-Jahren in Québec. Es sättigt gründlich und wärmt an kühlen Tagen.

The Five Fishermen und die Toten von Halifax
The Five Fishermen, 1740 Argyle Street, mitten in der Stadt, gehört zu den ältesten Häusern der Stadtgastronomie. Das Essen ist gut, die Geschichte des Hauses skurril. 1912 befand sich hier das Bestattungsunternehmen John Snow & Co. Nach dem Untergang der Titanic brachte man die Toten hierher, darunter John Jacob Astor. Fünf Jahre später, nach der großen Explosion von 1917 im Hafen von Halifax, stapelten sich erneut die Leichen. Das Personal erzählt Geistergeschichten, die auf diesen wahren und erschütternden Katastrophen beruhen.

Schokolade aus Südfrankreich
Rousseau Chocolatier, 5151 South Street, liegt in zweiter Reihe in einem Eckgeschäft. Julien Rousseau stammt aus Südfrankreich und fertigt seine Pralinen vor Ort von Hand. Gemeinsam mit seiner Partnerin Nathalie Morin betreibt er den Laden seit 2014. Zu den Spezialitäten zählt ein Karamell mit Fichtenspitzen. 2025 gewann das Haus zwei Preise bei den Academy of Chocolate Awards in London, unter anderem für Pralinen mit Bohnenkraut und mit Lavendel aus Nova Scotia. Daneben gibt es französische Macarons und an heißen Sommertagen erfrischende Sorbets.


Über das Wasser nach Dartmouth
Wem die Waterfront nicht genügt, der steigt in die Fähre nach Dartmouth. Sie ist der älteste Salzwasser-Fährdienst Nordamerikas und legt mehrmals pro Stunde an der Waterfront ab, auf Höhe des Maritime Museums. Schon wegen der Skyline lohnt sich die Überfahrt: Vom Deck aus zeigt sie sich von ihrer schönsten Seite. Die Fähre legt am Alderney Landing an, einem Kulturzentrum mit Wochenendmarkt. Gleich nebenan serviert Evan’s Seafood Fish and Chips mit Blick auf Halifax. Ein kurzer Weg führt zur Portland Street, dem Herzen von Downtown Dartmouth. Wer Geschichte sucht, findet im Quaker Whaler House ein Wahrzeichen. Der Kneipenbummel mit kulinarischen Erlebnissen geht hier weiter.

Mehr über Nova Scotia
Hummer galt in Atlantik-Kanada lange als Essen der Armen. Heute ist die Lobster Roll ein nationales Symbol. Wer wissen will, wie der Fang abläuft, fährt bei einer Nachtschicht mit: Auf Hummerfang in Nova Scotia zeigt, was Bestandsschutz bedeutet. Kanada ist auch das Land des Ahornsirups. Das meiste liefert Quebec, doch auch Nova Scotia zapft den Zuckerahorn. In Halifax, der Hauptstadt der Provinz, ist das Angebot groß. Der kulinarische Kompass für Halifax führt zu den guten Adressen. Die Stadt bietet aber mehr als Essen. Der Sightseeing-Guide reicht von der Parfumwerkstatt 7 Virtues bis zur Immigrationstour im Einwanderermuseum am Pier 21. Halifax war auch Schauplatz mehrerer Tragödien. Als die Titanic 1912 sank, war es der nächstgelegene große Hafen. Viele Opfer wurden hierher gebracht. Auf dem Fairview Lawn Cemetery erinnern ihre Gräber an die Katastrophe. Am Himmel wird es ruhiger. Das Deep Sky Eye Observatory zeigt die Milchstraße an Nordamerikas erstem Starlight-Reiseziel. Stargazing auf Meereshöhe heißt hier: Mückenschutz für die Milchstraße.
Die Recherche wurde unterstützt von Visit Nova Scotia