Der Zug verlässt Köln kurz nach sieben. Nur ein Umstieg trennt den Rheinländer vom Salzachtal, dem Tor zu einer der größten Wildnisregionen Mitteleuropas. Der Fernzug bringt uns nach Salzburg, von dort geht es mit der Lokalbahn durchs Pinzgau. Ab der Salzburger Landesgrenze übernimmt das Guest Mobility Ticket. Seit Mai 2025 fahren Übernachtungsgäste im gesamten Bundesland kostenlos mit Bus, Bahn und Lokalbahn. Finanziert wird das Angebot durch einen Mobilitätsbeitrag von fünfzig Cent pro Nacht, der zur Nächtigungsabgabe hinzukommt. Ganz gratis ist es also nicht, aber fast. Damit setzt das SalzburgerLand Maßstäbe unter Österreichs Bundesländern.

Die Idee dahinter ist simpel: Kein Verkehrsmittel belastet die Umwelt auf dem Weg in die Alpen mehr als das Auto. Wer stattdessen auf Bus und Bahn umsteigt, schont nicht nur die Natur, sondern auch die eigene Reisekasse und die engen Talstraßen. Weniger Autos bedeuten weniger Stau. Am Ende ein Vorteil für alle, nicht nur für die Urlauber.

Ziel unserer Reise ist die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, mittendrin Mittersill. Der Ort liegt an der jungen Salzach und ist einer von neunzehn Gemeinden der Region. Von hier führen Wege in 13 Täler, die den Nationalpark gliedern. Dieses weitläufige Talsystem lässt sich in einer einzigen Reise kaum erfassen. Mittersill ist ein guter Ausgangspunkt für Wander- oder Bike-Touren.

Ein Park, drei Länder, ein langer Weg
Die Geschichte des Nationalparks Hohe Tauern ist eine Geschichte des Kompromisses. 1971 unterzeichneten die Landeshauptleute von Salzburg, Kärnten und Tirol in Heiligenblut eine Absichtserklärung. Es war der erste Schulterschluss der drei Bundesländer, doch bis zum Schutzstatus vergingen zehn Jahre zäher Verhandlungen um Energiewirtschaft und Tourismus. 1981 machte Kärnten den Anfang, 1984 folgte Salzburg, Tirol schloss sich 1991 an. So entstand das größte Schutzgebiet der Alpen und Mitteleuropas: 1.856 Quadratkilometer, verteilt auf drei Länder, von 1.000 Metern Seehöhe bis zum Großglockner auf 3.798 Metern.

Programm nach Wetterlage
Die 13 Täler bieten Flexibilität: Regnet es in einem, scheint zwei Bergrücken weiter vielleicht die Sonne. An Schönwettertagen ist die Auswahl überwältigend. Die Krimmler Wasserfälle stürzen über drei Stufen ins Tal. Der Venedigerweg führt mit Blick auf den Großvenediger durchs Obersulzbachtal. Die Kitzlochklamm bei Taxenbach lockt mit einem Klettersteig, der Graukogel mit ruhigen Spaziergängen zwischen uralten Zirben. Im Rauriser Urwald zeigt sich ein Bergwald, den seit Generationen niemand mehr berührt hat. Der Kräutergarten in Hollersbach widmet sich den Pflanzen zwischen den Steinen, und im Schaubergwerk Hochfeld tauchen Besucher in die Bergbaugeschichte ein. Seit 2026 gibt es den Hohe Tauern Bike Trail. Auf 14 Etappen lassen sich die Nationalparktäler erkunden.

Die Nationalpark SommerCard bietet von Mai bis Oktober täglich eine von rund 60 Leistungen kostenfrei: von Museen über Bergbahnen bis zur Mautstraße am Kolm-Saigurn. Die Karte gibt es nur bei teilnehmenden Unterkünften und wird beim Check-in ausgehändigt. Wer sicher gehen will, fragt vor der Buchung nach oder greift auf die kostenpflichtige SalzburgerLand Card zurück.

Das Tauernfenster: Blick in die Erdgeschichte
In den Hohen Tauern wandert man auf geologisch besonderem Boden. Die höchsten Gipfel bestehen aus Gestein, das anderswo in den Alpen tief verborgen liegt. Vor 100 Millionen Jahren schob die afrikanische Platte gegen die eurasische, ältere Gesteinsschichten wurden nach oben gedrückt. Heute liegt hier das Tauernfenster frei. Es ist ein 160 Kilometer langes Band vom Brenner bis zum Katschberg, in dessen Zentrum vier gewaltige Gneiskerne stehen, darunter der des Großvenedigers. Fachleute sprechen von einer geologischen Sensation. Für Laien genügt die Erkenntnis: Wer hier klettert, steigt durch die Erdgeschichte.

Von Mittersill nach überall
Der Panoramatrail von Mittersill nach Hollersbach verläuft oberhalb der Salzach, mit Blick auf die gegenüberliegende Talseite und die ersten Ausläufer des Nationalparks. Kein spektakulärer Steig, aber ein ruhiger Auftakt, um die Weite des Tals zu erfassen. Die Freizeitmöglichkeiten der Region sind unerschöpflich. Oft liegt Wissensvermittlung zur Natur spielerisch am Wegesrand. In Hollersbach gibt es die Outdoor-Ausstellung Ökologischer Fußabdruck – ein Labyrinth mit Wissensstationen zu den Themen Mobilität, Ernährung, Wohnen und Konsum.

Kräutergarten Hollersbach
In Hollersbach liegt ein weitläufiger Kräuterlehrgarten, den Bio-Bäuerin Andrea Rieder mit einem Verein betreut. Auf 8.000 Quadratmetern wachsen über 500 Pflanzenarten, geordnet nach Berg-, Wasser-, Wald- und Wiesenkräutern. Andrea Rieder kennt jede Pflanze, erklärt Wirkung und Verwechslungsgefahr und macht aus einem Spaziergang eine unterhaltsame Lektion in Botanik. Ihre Botschaft ist ganz klar: Wir alle sollten mehr Kräuter in den Alltag einbauen, ob Gänseblümchen oder Schnittlauch, jedes Kräutlein hilft, sagt sie. Bei der wöchentlichen Führung, dienstags ab dem Klausnerhaus, setzen Teilnehmende ihren eigenen Kräuteressig an. Wer mehr will, findet im Hofladen Tees und Salze aus eigener Produktion: Souvenirs, die nicht im Schrank verstauben, sondern uns zuhause noch an Urlaub erinnern.

Krimmler Wasserfälle und Wasserwelten
Die Krimmler Wasserfälle sind mit 380 Metern Fallhöhe die höchsten Österreichs und zählen zu den größten Europas. Ein vier Kilometer langer Weg des Alpenvereins führt nah heran, mit Aussichtspunkten entlang der Strecke. Das Tosen hört man schon von Weitem, die Gischt erreicht selbst entferntere Abschnitte. Am Fuß der Fälle informiert das Wassermuseum über die Kraft und Herkunft des Wassers – weniger spektakulär, aber lehrreich.

Schaubergwerk Hochfeld
Das Schaubergwerk Hochfeld zeigt die Bergbaugeschichte des Tals. Besucher erkunden den Stollen nur im Rahmen geführter Touren, die während der Sommersaison zwischen Juli und September zweimal täglich stattfinden. Nationalpark-Ranger leiten die Gruppen rund einen Kilomter tief in den Stollen und erzählen dabei anschaulich von der beschwerlichen Arbeit der Bergarbeiter und ihrem Leben am Bergwerk.

Nationalparkwelten: der Berg unter einem Dach
Die Erlebnisausstellung Nationalparkwelten in Mittersill bringt das Gebirge auf 1.800 Quadratmetern und in zehn Themenräumen unter ein Dach. Der Rundgang beginnt bei den Gipfeln: Drohnenaufnahmen und eine Minikamera versetzen Besucher in den Flug eines Steinadlers. Weiter geht es durch Themenwelten wie Gletscher, Wasserreich und Bergwald. Ein Raum mit Liegebänken aus Holz duftet nach Wald, Kinder kriechen durch den Murmeltierbau, und ein 360-Grad-Panoramakino zeigt Berge, Gletscher und Almen.

„Wir wollen die Vielfalt der Natur zeigen und zum achtsamen Umgang anregen“, sagt Roland Rauch, Geschäftsführer der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern. Ein Museum ersetzt keinen Tag im Gelände, aber als Einstieg oder Schlechtwetterprogramm funktioniert es hervorragend – gerade, weil es auf Interaktion statt Vitrinen setzt.

Fazit: eine Reise reicht nicht
Dreizehn Täler lassen sich nicht in einer Reise entdecken. Wer wiederkommt, wählt neue Ziele, neue Wasserfälle, neue Klammen. Der Nationalpark Hohe Tauern ist auf Wiederholung angelegt. Naturschutz ist hier keine Nebensache, sondern Grundlage: Ohne die Landesgesetze von 1981, 1984 und 1991 gäbe es weder Urwald noch Wasserfälle in diesem Zustand.

Das Hotel Bräurup in Mittersill liegt zentral genug für Tagesausflüge in beide Richtungen des Tals, auch ohne Auto. Busse und Lokalbahnen verkehren regelmäßig und machen die Anreise mit der Bahn konsequent.

Salzburger Geschichten
Im Barocksaal findet mehrmals in der Woche, das bei Touristen sehr beliebte Mozart-Dinner im St. Peter Stiftskuliarium statt, das stets mit dem Dessert-Klassiker Salzburger Nockerln endet. Über diese und weitere Spezialitäten mehr in der Reportage Süßes Salzburg. Welche Spuren Mozart in seiner Heimatstadt Salzburg hinterlassen hat, verrät der Artikel Stadtwanderung mit Mozart. Das Salzburger DomQuartier geht neue Wege und lädt in die Prunkräume der Residenz zu Yoga-Flow mit Live-Musik von Mozart. Den Ausschank im Augustiner Bräu und ein kühles Märzen unter alten Kastanienbäumen oder im historischen Stockhammer-Saal sollte ebenfalls auf einem Rundgang durch Salzburg dabei sein. Jedes Jahr strömen Setjetter aus aller Welt nach Salzburg und begeben sich auf die Spuren von The Sound of Music per Panoramafahrt im Bus oder auf dem Sound-of-Music Trail.
Die Recherche wurde unterstützt von Nationalpark Hohe Tauern und SalzburgerLand